Rosemary Fowler: Das erste Tier im Teilchenzoo
Shownotes
Sie bekam mit fast 100 Jahren den Ehren-Doktortitel, lieferte aber schon Jahrzehnte zuvor das entscheidende Puzzleteil, das eine Revolution der Physik anstieß. Sie beobachtete, dass sich zwei scheinbar gleiche Teilchen unterschiedlich verhalten konnten. Das passte so gar nicht in die Denkweisen der damaligen Wissenschaftler:innen, aber die Spur wurde weiter verfolgt und letztlich bestätigt. Rosemary war zu dem Zeitpunkt nicht mehr in der Wissenschaft. Trotzdem bleibt ihr Name mit dieser physikalischen Revolution eng verknüpft.
Hier könnt ihr sie bei der Vergabe der Doktorwürde sehen.
“Behind Science” gibt’s jeden Samstag – am Science-Samstag. Zwischendurch erreicht ihr uns per Mail und Instagram, und hier gibt's unsere Links, die gerade wichtig sind.
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00:00:00: Schön sein Samstag zusammen.
00:00:02: Hallo!
00:00:03: Es gibt ja so wissenschaftliche Entdeckungen, die sofort Schlagzeilen machen.
00:00:08: Also Momente in denen auf der ganzen Welt klar ist da wird gerade Geschichte geschrieben.
00:00:14: Da gehört zum Beispiel die Entdeckenung der DNA-Struktur dazu.
00:00:17: Die erste Mondlandung, die ersten Bilder von einem schwarzen Loch.
00:00:20: aber dann gibt es auch Entdekungen, sie sind genauso wichtig, aber da wird die Bedeutung erst Jahre später verstanden.
00:00:27: das sind Entdekkungen, irgendwo im Labor gemacht werden, beobachtet werden nur von wenigen Menschen.
00:00:34: Und die Welt läuft parallel weiter während im Hintergrund eigentlich gerade das Verständnis des Universums für immer verändert wird aber so ein bisschen
00:00:46: ungesehen und unerzählt.
00:00:47: und da schreiten wir natürlich ein und erzählen eine dieser Geschichten, die so ein bisschen versteckt stattgefunden hat.
00:00:56: Und zwar ist es die Geschichte einer Frau, deren Name in den meisten Physikleerbüchern nicht auftaucht Obwohl sie eine entscheidende Rolle bei einer der größten Revolutionen der modernen Physik gespielt hat.
00:01:09: Wir sprechen heute über Rosemary Fowler, einer jungen Wissenschaftlerin die Ende der neunzehntvierziger Jahre etwas entdeckt das eigentlich nicht existieren dürfte ein Teilchen dass die Physiker vor einen Rätsel stellt Ein rätsel das schließlich dazu führt Das eine der fundamentalsten Annahmen über den Naturgesetze zusammenbricht.
00:01:44: Ja, Marie.
00:01:44: Wie lange hat's gedauert bis du deinen Uniabschluss hattest?
00:01:48: Also von quasi erstem Semester bis letztem Semester?
00:01:53: Ja ich war auf jeden Fall nicht regelstudienzeitlich.
00:01:56: Aber
00:01:56: auch nicht lange drüber oder?
00:01:57: Ich glaub
00:01:58: so vier Jahre waren es dann statt drei.
00:02:01: Völlig normal glaube ich völlig im Rahmen also kompletter... würde ich sagen, ein kompletter Durchschnitt.
00:02:09: Rosemary Fowler über die wir heute sprechen hat erst mit ... Jetzt haltet euch fest!
00:02:14: Achtundneunzig Jahren den Doktortitel verliehen bekommen.
00:02:19: und zwar ist es so krass im Jahr ... ... zwei-tausendvierundzwanzig also vor zwei Jahren.
00:02:26: Aber den Doktor?
00:02:27: Ja, klar noch mal was anderes.
00:02:30: Ich glaube bis wir den hätten, hätten wir schon noch ein bisschen gebraucht bei Alversan.
00:02:35: die wir noch so nebenher gestartet haben.
00:02:37: Und die Entdeckung, für die sie die Doktor Würde erhalten hat, lag da schon seventy-sech Jahre zurück!
00:02:46: Warum genau darüber sprechen wir in dieser Folge?
00:02:49: Mittlerweile ist Rosemary einhundert Jahre alt.
00:02:52: Ich kann ja immer nicht fassen, dass Menschen einhundert Jahre alt werden können.
00:02:56: Für mich ist es einfach ... Das ist ... das ist einfach ... Wahnsinn.
00:03:00: Das ist eine dreistellige Zahl!
00:03:03: Sie wird, in England geboren und die Zeit, in der sie lebt, ist aus Sicht vieler Physikerin einer allerspannten von allen Zeiten.
00:03:15: Ja, und zwar befinden wir uns im Jahr nineteenhundert achtundvierzig.
00:03:19: Das heißt der zweite Weltkrieg ist vorbei aber Europa liegt immer noch so im Schatten von diesem Krieg.
00:03:25: viele Städte werden gerade wieder aufgebaut Lebensmitte sind immer noch knapp und Millionen Menschen versuchen nach Jahren der Unsicherheit jetzt erstmal wieder einen normalen Alltag sich aufzubauen und gleichzeitig beginnt eine neue Ära der Wissenschaft.
00:03:40: Die Physik erlebt eine ihrer aufregendsten Phasen überhaupt in den Jahrzehnten zu.
00:03:46: Vorhaben, Forschende... nämlich bereits entdeckt, dass Atome nicht unteilbar sind.
00:03:52: Sie haben Protonen, Elektronen und Neutronen identifiziert.
00:03:56: doch inzwischen ist dann auch klar das sich unter dieser Oberfläche von dem was man da schon mit machen kann noch viel mehr befindet und wirklich eine ganz komplexe Teilchenwelt sich verbirgt.
00:04:11: sondern ich sie jetzt mal.
00:04:14: Ja das finde ich ja immer so interessant auch irgendwie erschreckend, dass wir eigentlich alle nur aus Atomen und alles nur aus atmen besteht.
00:04:22: Die wiederum aus wieder kleinen Teilchen bestehen also alles eigentlich zusammengesetzte Teilchen sind.
00:04:29: Und die dann hundert Jahre zusammenhalten?
00:04:32: Ja genau!
00:04:33: Also das finde ich... Das ist ja fast schon philosophisch dann irgendwie.
00:04:39: Und man kann sich jetzt die Situation so vorstellen wie eine Expedition auf einem unbekannten Kontinent, also lange Zeit glaubten die Physiker sie hätten die wichtigsten Bestandteile der Materie bereits gefunden.
00:04:53: Man lange Zeit dachte, man hätte alle Kontinente und Länder bereits entdeckt.
00:04:57: Doch hier genauer sie hinschauen, desto mehr neue Teilchen tauchen auf.
00:05:02: es ist als würde hinter jeder Tür eine weitere Tür erscheinen Und niemand weiß genau wie viele Teilchen es überhaupt gibt.
00:05:10: Niemand versteht warum manche Teilchen entstehen und aber auch wieder verschwinden können Und niemand hat eine Theorie die all diese Beobachtungen zusammenführt.
00:05:20: Also das ist so der Status quo in der Zeit, kann man sagen.
00:05:25: Ja und genau zu dieser Zeit arbeitet an der Universität Bristol eine junge Physikerin namens Rosemary Brown.
00:05:34: später wird sie unter ihrem Ehennamen Rosemary Fowler bekannt werden.
00:05:38: Sie ist damals Anfang zwanzig außergewöhnlich talentiert und Teil einer Forschungsgruppe, die versucht den geheimnisvollen Teilchen der kosmischen Strahlung zu untersuchen.
00:05:48: Dabei haben die Forscher aber ein Problem, denn die Maschinen mit denen wir heute Teilchen erzeugen können, die existieren damals noch nicht!
00:05:57: Es gibt noch keine gigantischen Teilchenbescheuniger, mit dem man einfach sich jetzt die Teilchen alle selbst erschaffen könnte um sie zu beobachten.
00:06:04: Wenn man damals neue Teilchen sehen möchte muss man auf die Natur zurückgreifen.
00:06:10: Und die Natur liefert tatsächlich einen ständigen Strom solcher Teilchen aus den Tiefen des Universums, treffen nämlich ununterbrochen hochenergetische Teilchen auf die Erde.
00:06:22: Das bekommt man sogar nicht mit!
00:06:24: Manche stammen möglicherweise aus Supernovae, das ist tatsächlich der Plural von Supernova.
00:06:31: Hab ich an der Stelle gelernt?
00:06:32: Nö!
00:06:34: Andere aus aktiven Galaxien oder anderen extrem kosmischen Ereignissen rasen dann durch den Weltraum und schlagen schließlich in die Erbatmosphäre ein.
00:06:45: Dort kollidieren sie dann mit Atomen und erzeugen dann ganze Kaskaden von neuen Teilchen.
00:06:52: Und für die Physiker der damaligen Zeit ist die Atmosphäre der Erde deshalb eine Art natürlicher Teilchenbeschleuniger, da kann man quasi das Verhalten von Teilchen beobachten ohne einen gigantischen Teilchen-Beschleunigar den man auf der Erde baut!
00:07:12: Ja, das heißt dann geht schon sehr viel ab.
00:07:15: Aber dass mit dem Beobachten ist nicht so einfach denn die Teilchen sind erstmal unsichtbar.
00:07:21: Das heißt, du musst dir jetzt überlegen wie kann ich vielleicht die Spuren sichtbar machen von den Teilchen?
00:07:27: und genau dafür nutzt die Arbeitsgruppe in Brüssel jetzt fotografische Emulsionen.
00:07:32: das sind so spezielle Fotoplatten die empfindlich genug sind um die Bahn geladener Teilchen aufzuzeichnen.
00:07:39: wenn ein Teilchen dahin durchfliegt hinterlässt es winzige Veränderungen im Material Nachdem das dann entwickelt ist, also die Fotos quasi entwickelt sind.
00:07:51: Kann man wirklich die Spuren von den Teilchen unter dem Mikroskop sehen und das machen sie dort in Bristol?
00:07:59: Genau!
00:08:00: Und heute würde das ein Computer machen.
00:08:03: Also der würde Milliarden solcher Datenpunkte automatisch analysieren.
00:08:07: Das ist auch tatsächlich was, was ja so eine Abarbeit Arbeit isst.
00:08:12: Damals saß aber einen Mensch hinter einem Mikroskope Das waren meistens Frauen, die wurden auch als Scanner bezeichnet.
00:08:21: Die da wirklich Stunde um Stunde Tag für Tag genau das gemacht haben also Datenpunkte analysiert haben.
00:08:29: man kann sich wirklich vorstellen wie anstrengend das gewesen sein muss weil es ja aber zum einen eine eintönige Arbeit ist zum anderen aber auch höchste Konzentration erfordert.
00:08:39: und dann saßen eben diese Scanner diese Frauen die das gemacht so fest und haben gearbeitet wie ein Computer, unter anderem auch Rosemary.
00:08:49: Ihre Aufgabe besteht darin Tausende von Spuren zu untersuchen und nach Ereignissen zu suchen die ungewöhnlich aussehen.
00:08:58: ja Wie gesagt er fordert sehr große Konzentrationen aber gleichzeitig ermüdet man natürlich sehr schnell dabei.
00:09:06: Die meisten der beobachteten spuren sind vollkommen unspektakulär doch Irgendwo zwischen ihnen könnte sich eine Entdeckung verbergen und deswegen muss man sie jeweils einzeln ganz genau betrachten.
00:09:22: Man stellt sich ja jetzt vor, wir warten alle so auf den einen dramatischen Moment.
00:09:27: So stell ich mir ein bisschen schaftlichen Durchbruch vor dass da irgendwie dann in einer Sekunde auf einmal alle Forschenden im Raum aufspringen, erkennen.
00:09:35: Da haben sie jetzt was Großes entdeckt und die Realität sieht aber meistens anders aus.
00:09:40: Die meiste Zeit wird erst mal damit verbracht dass Forscher wirklich so ganz routiniert beobachten messen Auswertung machen Fehler analysen machen immer eigentlich zweifelnd Ob das, was Sie da sehen überhaupt echt ist.
00:09:57: und auch damit ist Rosemary jetzt erst mal ganz viel beschäftigt.
00:10:01: Ja, und da verbringt sie jetzt wirklich Stunden und Tage über diesen Fotoplatten.
00:10:06: Und unter dem Mikroskop erscheinen dann so Teilchenspuren wie Feinlinien.
00:10:12: Manche verlaufen gerade andere Krümmen sich wieder andere verzweigen sich plötzlich und jede dieser Linien enthält Informationen über die Eigenschaften eines Teichens aus der Krümmung lässt auf seine Ladung zum Beispiel schließen, aus der Länge seiner Bahn, auch seine Energie und aus seinem Zerfall auf seine Identität.
00:10:32: Also es ist ein bisschen wie so der Fingerabdruck von Teicheln.
00:10:37: also man kann anhand dessen quasi die Charaktereigenschaften dieses Teichens identifizieren.
00:10:44: Ja, das passt gut!
00:10:45: Deswegen ist es auch so ein bisschen vielleicht wie als wäre Rosemary so eine Detektivin.
00:10:50: also die hatte eigentlich einen Kriminalfall.
00:10:53: sie ist Spurenleserin weil Sie kann ja nicht das Teilchen selbst sehen sondern nur die Spuren die es hinterlassen hat.
00:10:59: und deswegen musst du dann jenes mal überlegen was kann ich aus diesen Spuren rekonstruieren?
00:11:05: Wie Daraus mir ableiten, was davor passiert.
00:11:09: Wer war vielleicht noch beteiligt?
00:11:11: Welche Teilchen hatten hier eine Kollision oder so?
00:11:15: Welcher Teilchen sind entstanden?
00:11:17: Welches sind verschwunden und welche Kräfte haben da mitgewirkt?
00:11:21: Das versucht sie jetzt alles daraus abzuleiten!
00:11:24: Ja... Und eines Tages entdeckt Rosemary etwas merkwürdiges Eine Spur, die nicht in die bekannten Muster passt und zunächst sieht alles normal aus.
00:11:35: Ein Teilchen tritt in die Emulsion ein doch dann zerfällt es auf eine Weise, die wirklich direkt Fragen aufwirft.
00:11:43: Die gemessenen Eigenschaften passen nicht zu den Vorstellungen der Physiker, die sie bisher angenommen haben Und das ist einer dieser Momente, die zunächst ja komplett unscheinbar wirken.
00:11:54: Niemand im Labor ahnt in dem Moment, dass diese Beobachtung später zu einer der berühmtesten Rätsel der Teilchenphysik werden wird.
00:12:02: und da steckt Rosemary jetzt quasi an diesem Punkt.
00:12:06: Dass sie sieht was ist denn hier los?
00:12:08: Also sowas habe ich noch nicht beobachtet.
00:12:10: das ist ungewöhnlich
00:12:12: Das ist ungewöhnlich und damit wir jetzt alle verstehen, warum das ungewönlich ist müssen wir kurz einen Schritt zurückgehen.
00:12:18: In der Physik spielen nämlich Symmetrien eine zentrale Rolle.
00:12:22: viele Naturgesetze beruhen auf der Annahme dass bestimmte Eigenschaften unverändert bleiben Und einer dieser Symmetrien nennt sich Parität.
00:12:32: Für einfach gesagt beschreibt das die Frage ob die Naturgesätze auch dann gleich funktionieren wenn man das Universum spiegeln könnte, also das ganze Universum.
00:12:43: Und dass ist eben so eine ganz zentrale Annahme.
00:12:46: Ja und jetzt wird es wirklich ein bisschen kompliziert und philosophisch.
00:12:50: Man muss sich vorstellen, man schaut in den Spiegel, links und rechts werden da natürlich ja vertauscht und trotzdem bewegen sich die Dinge im Spiegl nach denselben physikalischen Regeln.
00:13:00: Ein Ball fällt nach unten, Wasser fließt.
00:13:03: Licht breitet sich aus und jahrzehntelang gehen Physiker genau davon aus.
00:13:07: also dass diese Spiegelsymmetrie grundsätzlich für alle Naturgesetze gilt und es erscheint beinah selbstverständlich also das da quasi dieser Spiegelspiegel bildlich funktioniert Oder um es auf Laborsituationen anzuwenden, führt man zwei Experimente mit spiegelbildlichem Aufbau durch.
00:13:31: Sollten auch die Ergebnisse spiegelbildlich zueinander sein – also dass sich quasi ein Experiment immer gleich verhält und das Ding ist….
00:13:42: Das ist jetzt bei Rosemary nicht der Fall!
00:13:45: Durch Rosemarie's Beobachtung kommen jetzt Zweifel an dieser Selbstverständlichkeit auf.
00:13:52: Noch erkennt niemand, die genaue Tragweite dieser Zweifeln.
00:13:56: noch handelt es sich lediglich um erst mal eine seltsame Spur auf der Fotoplatte.
00:14:00: Alles okay?
00:14:01: Alle erstmal Ruhe bewahren.
00:14:03: aber genau dort beginnt dann jetzt die Geschichte eines Rätsels das die Physik noch für Jahre beschäftigen wird.
00:14:13: Und in den folgenden Jahren tauchen nämlich weitere ähnliche Ereignisse auf.
00:14:17: Nicht nur im Bristol, sondern auch in anderen Laboren und langsam entsteht der Verdacht dass hier tatsächlich ein neues Teilchen beobachtet wird.
00:14:26: die Forscher geben diesen seltsamen Objekten Namen.
00:14:29: einige werden als Tauteilchen bezeichnet andere als Täterteilchen.
00:14:34: nach allem was man messen kann scheinen beide nahezu und das ist der entscheidende Unterschied identisch zu sein.
00:14:41: Also nur nahezu, sie sind nicht spiegelbildlich oder identisch.
00:14:46: Sie besitzen die selbe Masse, sie leben ungefähr gleich lange, sie entstehen unter ähnlichen Bedingungen.
00:14:52: und würde man nur diese Eigenschaften betrachten müsste man eigentlich sagen das ist ein und dasselbe Teilchen.
00:14:59: doch dann kommt eben das Problem.
00:15:01: Die Zerfälle sehen unterschiedlich aus.
00:15:04: Also das sogenannte Tauteilchen zerfällt in drei, so genannte Pionen.
00:15:10: Und das Tieterteilchen zerspricht dagegen in zwei Pionen!
00:15:14: Es sind hier wirklich sehr kleine Teiche, die wir hier beobachten.
00:15:20: Genau und wir würden jetzt auch sagen... Total kleiner, unwächtiger Unterschied.
00:15:27: Aber für die Physik der neunzehntfünfziger Jahre ist das riesig!
00:15:31: Denn die Zerfälle deuten darauf hin, dass das Tauteilchen und das Täterteilchen unterschiedliche Paritäten besitzen – nach den damaligen Regeln könnten sie deshalb unmöglich dasselbe Teilchen sein.
00:15:45: Gleichzeitig sprechen aber alle anderen Messungen dafür, das sie identisch sind und die Physiker stehen da jetzt vor allem absoluten Widerspruch entweder sind es zwei verschiedene Teilchen, die zufällig dieselbe Masse haben und dieselbe Lebensdauer oder aber alle zugrunde liegenden Annahmen damals über die Natur hatten, stimmt nicht.
00:16:09: Und das wär natürlich krass!
00:16:11: Ja...
00:16:12: heißt Theorie und Beobachtung passen irgendwie nicht zusammen.
00:16:16: Wir müssen sich also jetzt erstmal überlegen ist hier irgendwas faul?
00:16:20: Vielleicht gibt's irgendeinen Fehler der gemacht wurde vielleicht wurde falsch gemessen vielleicht wurde was übersehen und deshalb überprüfen sie die Daten immer und immer wieder Wiederholenexperimente aber dass Rätsel verschwindet irgendwie nichts kommt immer wieder zu diesen Zerfällen, die irgendwie nicht so ganz in das Bild passen.
00:16:42: Und es häufen sich eigentlich eher die Hinweise, dass hier ein neues Teilchen gefunden wurde und eben diese Spiegelbildtheorie einfach nicht.
00:16:50: stimmen kann, also ja hier wiederlegt wurde.
00:16:54: Ja Mitte der neunzehnfünfziger Jahre beschäftigen sich dann zwei jüngere theoretische Physiker damit und sie haben so ein bisschen weniger Ehrfurcht vor diesen etablierten Annahmen wie viele der älteren Kollegen und Sie bemerken es gab eigentlich nie überzeugende Nachweise dafür dass die Parität bei allen Naturkräften
00:17:15: erhalten bleibt
00:17:16: für einige Prozesse wo die einfach nur angenommen.
00:17:20: Ja, und das rufen Sie allen jetzt noch mal in die Köpfe?
00:17:24: Ich finde das so interessant weil es ist ja quasi wie eine Glaubensfrage wo man denkt in der Wissenschaft sollte ja nicht nur einfach eine Glaubensfrage sein sondern alles überprüft werden
00:17:36: und
00:17:36: auch immer wieder überprüfen werden.
00:17:37: aber scheinbar war das so tief verwurzelt diese Annahme dass es auch schwer fällt davon halt abzurücken oder zuzulassen, dass dazu mehr geforscht wird.
00:17:49: Weil man eigentlich gar nicht will, dass man da quasi rausfindet und sich geirrt hat viele Jahre lang.
00:17:58: Und eine dieser zentralen Annahmen ist eben diese Spiegelbildtheorie ... Man kann wirklich sagen, dass die teilweise auf Gewohnheit einfach basiert hat und man sie eben nicht durch Experimente noch mal überprüft hat.
00:18:10: Und an diesem Punkt betritt dann eine weitere bemerkenswerte Wissenschaftlerin die Bühne Chen Xiong Wu.
00:18:17: Sie gehört zu den führenden Experimentalfysikerinnen ihrer Zeit und sie entwickelt ein Experiment das die Frage nach der Parität direkt beantworten soll.
00:18:27: Sie und ihr Team kühlen radioaktive Atome auf extrem niedrige Temperaturen ab, untersuchen ihren Zerfall.
00:18:35: Das Ergebnis ist eindeutig!
00:18:37: Die Teilchen verhalten sich – erzahlt euch fest – nicht spiegelbildlich.
00:18:43: Sie bevorzugen nämlich eine Richtung.
00:18:45: die Natur macht also einen Unterschied zwischen links- und rechts als sie Ergebnisse dann veröffentlicht werden.
00:18:51: Er schüttert das die Physik.
00:18:54: Die Parität ist nicht universell, findet man da heraus.
00:18:59: Zumindest bei dieser schwachen Wechselwirkung gilt die Parität nicht und plötzlich ergibt damit auch das Täter-Taurätsel Sinn.
00:19:08: Die beiden scheinbar unterschiedlichen Teilchen sind tatsächlich dasselbe Teilchen!
00:19:14: Der Widerspruch entsteht eben nicht nur durch das Teilchen selbst.
00:19:18: der Widerspruch entsteht durch eine falsche Annahme über die Naturgesetze.
00:19:23: also Hier wird ein und dasselbe Teilchen verhält sich im selben Medium unterschiedlich.
00:19:31: Das wird hier quasi herausgefunden, alles aufbauend auf dieser ersten Entdeckung von Rosemarie.
00:19:38: Ja, ich habe es experimentell noch mal beobachtet.
00:19:41: Heute nennen wir dieses Teilchen übrigens Kaon.
00:19:44: Es gehört zu einer Familie von Teilchen die später eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung eines Standardmodells der Teilchenphysik spielen wird.
00:19:53: und die Spur, die Rosemary aber Jahre zuvor schon beobachtet hat.
00:19:57: Die war dafür einer der führenden Hinweise also ein ganz, ganz wichtiger Hinweis in diese neue Physikwelt.
00:20:07: Jetzt haben wir hier bei den Spuren der Teilchen so bisschen die Spure von Rosemary vernachlässigt.
00:20:14: Ihr eigenes Leben verändert sich nämlich auch sehr stark während sich in der Physik da so eine Revolution abspielt.
00:20:23: Ihre Geschichte nimmt eine ganz andere Richtung, als man es vielleicht jetzt erwarten würde.
00:20:27: Und zwar entscheidet sie sich gegen eine wissenschaftliche und akademische Laufbahn.
00:20:32: Sie heiratet den Physiker Peter Fowler von dem er auch den Namen bekommt der später dann selbst ein renommierter Wissenschaftler wird und die beiden bekommen drei Töchter, die selbst alle in die Wissenschaft gehen wird.
00:20:48: Hausfrau und kümmert sich um die Kinder.
00:20:51: Und den Haushalt hält dem Mann den Rücken frei, für sie ist das damals eine praktikable Entscheidung, die sie auch nicht bereut hat.
00:21:00: also Sie sieht es einfach wirklich ganz pragmatisch denn da sind auch Lebensmittel durch den Krieg ziemlich rationiert.
00:21:07: Wohnraum ist knapp, Hausarbeit ist zeitaufwendig kräftezehrend.
00:21:12: So funktioniert unser System einfach hier am besten als Familie, das heißt sie kümmert sich um Kinder und Haushalt während der Mann Karriere macht.
00:21:20: Und Physik spielt in ihrem Leben... Da höchstens noch am Küchentisch eine Rolle, da werden dann physikalische Phänomene häufig auch mit den Kindern diskutiert.
00:21:29: Das erzählen sie dann wohl später, dass Sie immer schon das Gefühl hatten, Physik ist das spannendste Fachgebiet was es gibt weil die Eltern das einfach so spannend diskutiert haben mit ihnen und deswegen auch eine wissenschaftliche Karriere eingeschlagen haben.
00:21:44: aber ja sie verlässt die Wissenschaft, die akademische Welt zu Gunsten von Familie und Haushalt.
00:21:52: Das hätte man am Anfang der Geschichte auch nicht so unbedingt erwartet.
00:21:56: Aber ich find's schön, vielleicht hätten die sonst nicht so viele wissenschaftliche Gespräche am Küchentisch geführt.
00:22:03: Ich glaub da hat sie dann alle einfach wahrscheinlich ganz viel gefragt und aus dieser Welt noch mit an den Küchendisch geholt, könnte ich mir vorstellen?
00:22:11: Und das Fix hat ja echt auch die Töchter total von Physik.
00:22:15: verschön eigentlich.
00:22:16: Ja auf jeden Fall!
00:22:18: Sie war auch nicht verbittert über diese Entscheidung.
00:22:21: am Ende ihres Lebens.
00:22:22: Das gibt es natürlich auch, dass man das Frauen ... Vor allem ja Frauen sich am Ende ihrer Lebens irgendwie so ein bisschen darüber ärgern und das bereuen diesen Weg gegangen zu sein.
00:22:33: Das war bei ihr jetzt so nicht der Fall?
00:22:34: Genau!
00:22:35: Ja, für sie war das okay so.
00:22:37: und gleichzeitig während Sie das alles nur noch am Küchentisch mit Ihrer Familie bespricht erlebt die Physik wirklich eine wahre Explosion an Entdeckungen.
00:22:47: Die neunzehnundfünfziger- und sechziger Jahre werden später oft als das goldene Zeitalter der Teilchenphysik bezeichnet.
00:22:54: es gibt jetzt immer leistungsfähigere Beschleunige immer neue Teilchen tauchen auf.
00:23:00: Für die Forscherinnen fühlt sich das Universum plötzlich deutlich größer an weil man einfach viel mehr entdecken kann und ja auch größer, als sie sich noch vor wenigen Jahrzehnten davor vorstellen konnten.
00:23:14: Und diese Phase nennt man deswegen auch manchmal den Teilchen Zoo.
00:23:19: Ursprünglich hatten Physiker gehofft einige weniger fundamentale Bausteine zu finden aber stattdessen entdeckten sie halt so viele neue Teilchen dass Sie das Gefühl haben oh mein Gott ist Bimmeltyaki überall nur noch von neuen Teilchen!
00:23:32: Ist ja ein ganzer Zoo.
00:23:36: Ja, finde ich irgendwie richtig witzig dieses Bild.
00:23:40: Und im Jahr ... Wir haben es am Anfang schon erzählt, entscheidet die Universität Bristol dann Rosemarie Fowler für ihre wissenschaftlichen Leistungen zu Ehren und zu diesem Zeitpunkt ist sie wie gesagt achtundneunzig Jahre alt.
00:23:53: fast acht Jahrzehnte nach ihrer wissenschaftliche Entdeckung verleiht die Universitet ihr einen Ehrendoktor-Titel?
00:24:02: Da
00:24:02: hat gedauert.
00:24:04: Auf jeden Fall
00:24:05: haben sie sich ein bisschen aus dem Blick verloren, aber gut dass die dennoch bekommen hat.
00:24:10: Ja bei Rosemary ist es ja wirklich so.
00:24:13: Sie hat selber nie eine neue Theorie aufgestellt Aber sie hatte eben was beobachtet das nicht ins bestehende Bildpaste Und was dadurch das ganze Verständnis von Naturgesetzen verändert hat also was kein Fehler war sondern wirklich Real.
00:24:31: Ja, was so den Stein irgendwie ein bisschen ins Rollen gebracht hat könnte man sagen
00:24:36: und
00:24:37: womit man ja auch noch mal den Fokus auf die Menschen in Laboren lenkt, die quasi so diese unliebsamen Arbeiten machen.
00:24:47: also ich weiß nicht es gibt ja auch irgendwelche Experimente, da musst du den ganzen Tag pipettieren oder irgendwelche anderen Sachen machen die halt wirklich wie so Fließband Computerarbeit sind.
00:25:01: Die aber dann halt aufgrund fehlender Technik oder weil es einfach nur ein Mensch machen kann ja eben einen mensch übernehmen muss.
00:25:08: und deswegen ist umso beeindruckender, dass Rosemary in diesem ganzen Wust aus Spuren von Teilchen dann eben das eine Teilchen da identifizieren konnte was da diese Evolution in der Physik angestoßen hat.
00:25:24: Ich
00:25:24: finde es noch mal ein guter Reminder auch auf wirklich so kleiner Details zu achten die eigentlich nicht ins bestehende Bild passen und die dann so wichtig sein können.
00:25:32: Ja und nicht zu sagen...
00:25:35: passt nicht, ist ein Fehler oder so.
00:25:38: Sondern genau die zu schätzen und eigentlich ja nach denen zu suchen finde ich auch so ein schönes Bild fürs Leben.
00:25:47: Stimmt.
00:25:48: Ja und auch daran festzuhalten zu sagen, nee hier ist irgendwie was nicht entspricht nicht ganz der Norm.
00:25:53: da müsst ihr noch mal genauer hingucken und nichts zu sagen.
00:25:56: ach komm ich ignoriere es einfach mal.
00:25:58: das könnte wichtig sein
00:25:59: ja wird schon nichts sein.
00:26:01: genau ja schaut euch unbedingt mal das Foto von ihr an als sie da die Doktorwürde zwanzivundzwanzig erhalten hat.
00:26:09: man sieht eine Frau die wirklich es sieht.
00:26:13: Sie sitzt da irgendwie mit geradem Rücken.
00:26:15: so ganz, ganz würdevoll finde ich.
00:26:19: Und in ihren Augen sieht man dass sie wirklich schon vieles erlebt und gesehen hat.
00:26:25: aber das ist auch eine gewisse Ruhe in ihrem Blick finde ich weil sie glaube einfach so mit dem wie sie ihr Leben geführt hat zufrieden ist und damit irgendwie gut gefahren ist, das finde ich auch meine Geschichte, die unbedingt erzählt werden sollte.
00:26:42: Wir erzählen ja häufig dann die Geschichten wo Menschen irgendwie denn bereut haben aber in dem Fall war es nicht so und sie sagt halt selber ein bisschen Ja das wäre nur so ein kleiner Baustein den ich geliefert habe Aber vielleicht war's doch etwas mehr.
00:26:58: wir haben hier auf jeden fall einmal die Bühne gegeben.
00:27:01: wir verlinken euch das Foto und wenn ihr Lust habt Gebt uns doch super gerne noch eine positive Bewertung auf der Plattform, auf der ihr dem Podcast hört oder lasst einen Kommentar da was ihr über die Folge denkt.
00:27:14: Und ja, vergesst nicht den Podcast zu abonnieren damit ihr in zwei Wochen auch wieder die neue Folge Behind Science hören könnt!
00:27:21: Ja genau wir hören uns jetzt immer zweiböchentlich, aber dann könnte euch schon darauf freuen.
00:27:25: das sind wieder Freude
00:27:26: Down.
00:27:27: Auf jeden Fall, bis dahin macht es euch schön und tschüss
00:27:31: tschüß.
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